Raps ist mehr als nur Angebot und Nachfrage

In Aktuelles, Raps by Thomas LoschenHinterlasse uns einen Kommentar

Unter einigen Pflanzenbauern, so scheint es, ist der Rapsanbau derzeit in der Beliebtheitsskala etwa auf der Höhe eines Zahnarztbesuches angesiedelt. Doch es gibt viele gute Gründe, am Anbau festzuhalten. Ein bedeutender Grund ist sicherlich die aktuelle Preissituation.

Der Rapspreis eilt von einem Rekord zum nächsten. Im März verzeichnete er zwischenzeitlich mit 525 €/t sogar ein noch nie dagewesenes Allzeithoch. Die Gründe dafür sind zum einen in den ebenfalls hohen Sojapreisen zu suchen, die die anderen Ölsaaten im Preis mit sich ziehen. Zum anderen ist Rapsöl weltweit knapp: Sowohl der europäische Markt als auch der Canolamarkt beim weltgrößten Erzeuger und Exporteur Kanada sind leergefegt. Nach den letzten Schätzungen des US-Agrarministeriums USDA belaufen sich die globalen Bestände aktuell auf den niedrigsten Wert seit mindestens fünf Jahren.


Das Zusammenspiel aus leeren Lagerhallen und hoher Nachfrage sowohl der Ölmühlen als auch des Weltmarktes spricht nach Überzeugung von Marktexperten dafür, dass dieses Preishoch noch eine Weile anhalten wird. Zumal in den 27 Mitgliedsstaaten der EU nach der mit 16,1 Mio. t deutlich unterdurchschnittlichen Ernte 2020 die Anbaufläche zur Ernte 2021 mit 5,16 Mio. ha nicht größer ist als im Jahr davor. Das bedeutet: Selbst, wenn die Erträge in diesem Jahr höher sind – in der EU wird wieder nur eine kleine Ernte eingefahren. Auf 16,7 Mio. t schätzt die EU-Kommission die Ernte 2021 in Europa – im Schnitt der letzten fünf Jahre betrug sie deutlich höhere 18,5 Mio. t. Für Deutschland erwartet der Deutsche Raiffeisenverband DRV in seiner ersten Schätzung 3,49 Mio. t, das ist sogar weniger als die 3,51 Mio.t des Vorjahrs.
Hinzu kommt, dass noch unklar ist, ob die Kältewelle im Frühjahr an der Entwicklung der Bestände schadlos vorübergegangen ist. Eines ist allerdings klar: Die Versorgung bleibt knapp.

Plädoyer für den Raps

Soweit zu den Marktzahlen. Doch Raps ist mehr als nur Angebot und Nachfrage. Das Kreuzblütengewächs ist schließlich vielerorts die einzige in den Fruchtfolgen verbliebene Blattfrucht. Ihr hoher Vorfruchtwert veredelt nachfolgende Getreideernten und freut das Bodenleben. Die tiefe Durchwurzelung des Bodens und das nach der Ernte auf dem Feld verbleibende Stroh ordnen die Kultur bei den Humusmehrern ein.
Zum Zeitpunkt seiner Blüte ist Raps mindestens in den norddeutschen Bundesländern die wichtigste Nektar- und Pollenquelle für blütenbesuchende Insekten. Das ist gut für die Biodiversität, aber auch für menschliche Leckermäuler, denn ein Volk von Honigbienen kann stolze 40 kg Rapshonig zusammentragen!


Aus dem Erntegut werden schließlich hochwertige Speiseöle ebenso wie technische Öle, aber auch Biodiesel und eiweißreiche Futtermittel hergestellt. Diese Erzeugnisse sind alle von hoher Qualität und aus heimischer Erzeugung – auch dies ein Argument, das spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie wieder mehr ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist.
Allerdings ist der Raps kein Selbstläufer: Zahlreiche Schaderreger haben es auf ihn abgesehen, Resistenzen und ein schmaler werdendes Wirkstoffspektrum an chemischen Pflanzenschutzmitteln verkomplizieren ihre effektive Bekämpfung. Umso wichtiger ist ein integriertes, fruchtfolgeübergreifendes Pflanzenschutzmanagement, das auf ackerbauliche Verfahren und die Einhaltung von Anbaupausen setzt.
Auch beim Thema Düngung lohnt eine intensive Auseinandersetzung mit den Chancen der Kultur: Sicher, die Vorgaben der Düngeverordnung verlangen Änderungen im N-Düngermanagement, welche geringere Erträge zur Folge haben können. Aber: Ertragseinbußen können durch höhere Ölgehalte ausgeglichen werden, geringere Mengen an Dünger bedeuten auch niedrigere Kosten und von der Züchtung sind Sorten mit verbesserter N-Effizienz zu erwarten.

Kurzum: Er mag keine ganz einfache Kultur (mehr) sein, doch der Raps, der sich in nur dreißig Jahren zur wichtigsten Ölpflanze in Deutschland gemausert hat, kann mit Sorgfalt, modernen Anbaumethoden und ackerbaulichem Wissen seinen Platz auf der Hitliste der Fruchtarten locker behaupten.

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Thomas Loschen

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