Ernährungsplan fürs Bodenleben

In Aktuelles, Grünland by Thomas LoschenHinterlasse uns einen Kommentar

Der gute Vorsatz zum neuen Jahr, einer gesünderen Ernährung mehr Aufmerksamkeit zu widmen, gehört für viele zum Jahresanfang wie Nieselregen zum Heiligen Abend. Doch sollten wir diese Aufmerksamkeit nicht nur unserem eigenen Speiseplan zuteil werden lassen, sondern auch der Ernährung unseres wichtigsten Produktionsmittels: des Bodens! Denn die Milliarden Lebewesen, die sich in unseren Ackerböden tummeln, brauchen regelmäßig Futter. Intervallfasten oder Nulldiät kommt für sie nicht in Frage.

Tonnenweise hungrige Helfer

Unter der Oberfläche eines Hektars Ackerboden sind geschätzte 15 Tonnen Lebewesen zuhause, die in Mikro-, Meso-, Makro- und Megafauna eingeteilt werden. Von Pilzen und Bakterien über winzige Einzeller mit weniger als 0,2 mm Körpergröße bis zu vergleichsweise gigantischen Wirbeltieren reicht die Spanne. Sie alle erwarten 365 Tage im Jahr einen gedeckten Tisch – auf dem sich nicht nur irgendwelche organischen Substanzen finden, sondern eine ausgewogene Mahlzeit. Für jeden von ihnen.

Küchenchef für die hungrige Bodenfauna

Die Rolle der Bodenfauna für die Stabilität der Böden, den Humusgehalt, die umfassende Versorgung von Kulturpflanzen und die Widerstandsfähigkeit gegen Schaderreger oder sonstige widrige Umstände kann eigentlich gar nicht überschätzt werden. Und die Verantwortung für eine ausgewogene Nährstoffzusammensetzung im Boden – um die Bedürfnisse aller „Esser“ zu stillen – liegt bei Ihnen. Doch keine Angst: Küchenchef für eine solche hungrige Armee zu sein ist nicht so schwierig, wie es klingt.

Mangelernährung verursacht Gesundheitsprobleme

Es bedarf allerdings einer Umstellung der Denkweise. Bisher sind wir davon ausgegangen, mit unseren Düngemaßnahmen die Kulturpflanzen angemessen zu ernähren. Stattdessen muss der Ansatz sein, das Bodenleben sattzumachen! Das gelingt über weite Fruchtfolgen, auf den Standort abgestimmten Zwischenfruchtanbau sowie die Kenntnis der Nährstoffzusammensetzung im Boden. Hier ist vielerorts in den letzten Jahren ein Schwefeldefizit auffällig geworden, das – wie beim mangelernährten Menschen auch – Gesundheits-probleme verursacht. Die Bodenbiologie kann aufgrund des Nährstoffungleichgewichtes ihre Aufgaben nicht ausreichend erfüllen, Qualitätsverluste zum Beispiel beim Getreide und Probleme mit dem Pflanzenschutz können die Folge sein.

Also: Machen Sie ruhig den Ernährungsplan für Ihre eigene gesunde Ernährung. Nehmen Sie sich aber anschließend gerne vor, auch den Speiseplan Ihrer Bodenfauna abwechslungsreicher zu gestalten!

 

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Thomas Loschen

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